[Rezi] Irene Zimmermann - Seele zum Anbeißen

Kurzbeschreibung:

 

Eigentlich soll es nur ein kurzer Besuch in der alten Heimat werden. Die sturmerprobte Powerfrau Doro, die vor Jahrzehnten nach Berlin ausgewandert ist, fährt nach Oberschwaben, um ihren kranken Vater zu besuchen. An ihrer Seite: der bekannte Berliner Galerist Rudolf, ein echter Traummann. Kaum in der alten Heimat angekommen, läuft sie ihrer großen Jugendliebe Uli in die Arme. Wie soll sie sich gegen die aufflammenden Gefühle wappnen, wo sie doch schon alle Hände voll zu tun hat, ihre alte Schulfreundin Moni – männermordend wie eh und je – von Rudolf fernzuhalten? Und was ist eigentlich in ihre Familie gefahren? Im angeblich so beschaulichen Oberschwaben geht es rund. Und ehe Doro sich's versieht, steckt sie schon mittendrin im Schlamassel ...

 

Quelle: Amazon und Silberburg Verlag

 

Seele zum Anbeißen - Irene Zimmermann
Seele zum Anbeißen - Irene Zimmermann

Rezension:


ChickLit auf Schwäbisch. Ein Regionalroman. So stellt sich „Seele zum Anbeißen“ von Irene Zimmermann vor. War Irene Zimmermann bisher im Jugendbuchbereich erfolgreich unterwegs, wagt sie sich mit Seele zum Anbeißen in die Welt der Frauenromane.

 

In „Seele zum Anbeißen“ lernen wir Dorle kennen. Da es ihrem Vater so schlecht geht, bleibt ihr nichts anderes übrig als vorübergehend in ihre Heimat zurückzugehen und nach dem Rechten zu sehen. Mit im Gepäck hat sie allerdings Rudolf, ihren Lebensgefährten aus Berlin.  Der vom beschaulichen Aulendorf. Anfangs wenig begeistert geht relativ schnell seiner eigenen Wege. Und das macht nicht nur Dorle wahnsinnig. Das ausgerechnet ihre frühere Feindin Moni dabei involviert ist macht es nicht gerade besser. Dann haben auch noch der Bruder und seine Frau Eheprobleme und sie steht mit dem kranken Vater allein da. Gott sei Dank taucht Tante Frieda genau im richtigen Moment auf. Aber selbst der Besuch wirft mehr Fragen auf als das er klärt … und welche Rolle spielt eigentlich Uli, Dorles große Jugendliebe, in dem Ganzen.

 

„Seele zum Anbeißen“ klingt nach einem heiteren Roman, der gerade durch die Dialoge in Schwäbisch schön aufgeheitert werden kann. Leider gelingt genau das Irene Zimmermann nicht in dem Maße, wie ich mir das gewünscht hätte. Die schwäbischen Dialoge selbst sind für jeden leicht zu verstehen, auch für den „Nichtschwaben“ und ihr Schreibstil ist flüssig und angenehm. Die Wortwahl selbst ist nicht übertrieben und auch nicht übermäßig klischeehaft. Leider aber auch nicht fesselnd. Oft schwanken Szenen bevor die vorhergehende beendet wurde. Man bleibt teilweise fragend zurück.  Teilweise hatte ich das Gefühl eher einen Tagesablauf zu lesen, es ging einfach nicht voran. Rückblicke, Erinnerungen aktuelles Geschehen wirkt oft angerissen, die Handlungen der Protagonisten oft unbeherrscht oder einfach nicht nachvollziehbar.

 

Das wäre möglicherweise nicht so schlimm gewesen hätte ich mich mit den Protagonisten identifizieren können. Aber Dorle, die sich in Berlin gern Doreen nennt und eigentlich als Dorothea geboren wurde, ist mir einfach nur furchtbar unsympathisch. Bei ihr und bei Rudolf, dem Galeristen greifen zu viele Klischees. Dorle wirkt daraufhin unheimlich naiv und Rudolf empfand ich einfach nur als anstrengend. Dazu kamen die vielen anderen Personen. Der Papa, Wolfgang, Renate, Uli, Moni, Regina, Tante Frida, Herr Huber und die Haushälterin und Yasemine. Und alle spielen eine Rolle, ohne einen Tiefgang zu bekommen. Es sind einfach zu viele Nebencharaktere in das nicht so dicke Buch gequetscht. Dazu kommt Dorles Wankelmütigkeit.  Ein ständiges Hü und Hott. Diese Naivität gestehe ich einer jungen Protagonistin zu, aber in einer solchen Geschichte erwarte ich mehr Standhaftigkeit der Hauptperson. Durch die Verwendung der Ich-Form ist es mir noch schwerer gefallen, da ich mich einfach nicht in Dorle reinlesen konnte. Manchmal hätte ich sie gerne gepackt und ihr die Leviten gelesen.

 

Das Ende der Geschichte ist überraschend. Erst dann kommt die ganze Geschichte zum Tragen. Dadurch klären sich einige Fragen, die das Buch vorher aufwirft. Es gab für das Ende auch durchaus Hinweise. Die allerdings so klein geblieben sind, dass man sich genau darum gar nicht so viele Gedanken macht. Durch die Wende der Geschichte im letzten Viertel nimmt die Geschichte noch mal Fahrt auf, die den Abschluss dann etwas harmonisieren. Das ist zum einen gut für das Buch und zum anderen für den Leser.

 

Mein Fazit:

 

„Seele zum Anbeißen“ kann man lesen, muss man nicht. Es macht durchaus Spaß das Schwäbische zu lesen, aber die Protagonistin bleibt für mich eine anstrengende Persönlichkeit.  Ich kann mir aber auch vorstellen, dass es den einen oder anderen Leser gibt, der in der Geschichte eine tolle Sommernachmittagslektüre sieht.

 

 

Infos zum Buch:

 

Verlag: Silberburg Verlag Tübingen

Seiten: 253

ISBN:  978-3842512429

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